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Entnahmetechniken bei der Haartransplantation
Prinzip: Aus dem Haarkranz werden gesunde und lebenslang wachsende Haarwurzeln entnommen, um in kahle Gebiete verpflanzt zu werden.
Seit 1950 bis etwa 1980 entnahm man mit einem Hohlbohrer von 2,5 mm Durchmesser Hautinseln. Die Entnahmestelle blieb meistens offen, später wurde sie vernäht. Zurück blieben punktförmige bis fleckförmige Narben, die mit langem Haar überkämmbar waren. Die Hautinseln wurden zunächst direkt in die kahlen Stellen transplantiert (Puppenkopf Aussehen), später wurden sie in Mini- und Mikrografts zerteilt. Die Entnahmetechnik ist bekannt unter der Bezeichnung „Punchgrafting“.
Seit den 80iger Jahren wurde ein mehr oder weniger großer Hautstreifen mit Haarwurzeln entnommen. Die Haarwurzeltransplantate wurden direkt aus diesem Streifen präpariert.
Es verblieb eine strichförmige, gut überkämmbare Narbe. Neue Verschlusstechniken lassen später die Haare durch die Naht hindurch wachsen, so dass im Idealfall, auch bei kurzem Haar, die Narbe kaum oder gar nicht sichtbar ist. Die Technik der Hautstreifenentnahme wird als Streifen- oder Striptechnik bezeichnet.
Ebenfalls in den 80iger Jahren hatte man bereits die Idee einer Mikropunchentnahme. Mit Hohlbohrern von 1 mm Durchmesser wollte man Mini- und Mikrografts gewinnen. Wegen technischer Probleme wurde diese Idee nicht weiter verfolgt. Erst seit etwa 2002 wurde mit Handstanzen von 0,7-1,1 mm Durchmesser die Technik weiter entwickelt. Man nannte sie „Follicular Unit Extraction“ (FUE Technik). Im Prinzip müssen alle follicular units (Einheiten, die 1-3 Haarwurzeln enthalten) im Einzelnen entnommen werden. Das erfolgt mit verschiedenen Instrumenten entweder per Hand oder per Motor getriebenem Bohrer.
Heute wird weltweit überwiegend die Streifenentnahmetechnik angewandt.
Bei der Vereinzelung wird heutzutage auf den Erhalt der natürlichen Haarwurzelgruppen von 1- 4 Haaren geachtet. Diese nennen sich Follicular Units (FU).Dadurch sind die Transplantate feiner und natürlicher geworden und können dichter in kleinere Empfängeröffnungen eingesetzt werden. Die Einzelhaarentnahme (FUE Technik) stellt in besonderen Fällen eine Alternative zu dieser Streifenmethode dar.
Beide Techniken bieten Vor- und Nachteile. Welche Technik für den Patienten am besten geeignet ist, sollte immer im Vorgespräch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Vorsicht ist geboten, wenn man dem Patienten eine Technik als die „beste oder neueste und modernste Methode“ anbietet. Erfahrene Haarchirurgen beherrschen beide Techniken und können so eine Empfehlung für den Interessenten geben.
Im folgenden werden Streifenentnahme (oft FUI oder FUT Technik genannt) und FUE Technik mit Vor- und Nachteilen gegenübergestellt. Die Verfasser haben sich bemüht, dieses so objektiv und neutral wie möglich darzustellen.
Grundsätzlich gilt: JEDE TECHNIK IST NUR SO GUT WIE IHR OPERATEUR !
Streifenentnahme (FUI, FUT, Strip)
Das Entnahmegebiet wird kurz rasiert. Der Streifen ist meist 1-1,5 cm hoch und je nach Bedarf an Transplantaten 10-35 cm lang. Pro cm2 lassen sich je nach individueller Haardichte 80 – 120 follicular units präparieren (Mikroskopische Präparation erforderlich). Durch spezielle Instrumente werden kaum Haarwurzeln beim Herausnehmen des Streifens verletzt. Neuere Nahttechniken werden so durchgeführt, dass im Idealfall später auch durch die Narbe hindurch wieder neue Haare wachsen.
Es verbleibt eine lineare, wenige mm breite, anfangs noch leicht gerötete Narbe, die durch das Resthaar überkämmt werden kann (Haarlänge mindestens 1 cm, besser 2,5 cm). Die lineare / strichförmige Narbe wird sichtbar, wenn die Haarlänge unter 0,5 cm beträgt und die Resthaare sehr dünn verteilt sind.
Zusammenfassung mit Vor- und Nachteilen Streifenentnahme
- sehr große Mengen an follicular units können in einer Behandlung transplantiert werden, nämlich bis zu 2.500 und mehr (entspricht bis zu 7000 Haaren)
- Die Entnahmestelle ist sofort überkämmbar und dadurch quasi nicht sichtbar
- Die optische Dichte des Haarkranzes/Haarkleid bleibt weitestgehend gleich
- Bei erneuter Haartransplantation kann man die alte Narbe wieder mit entfernen, so dass im Idealfall immer nur eine Narbe verbleibt
- durch jahrelange Erfahrung und Studien sichere Anwuchsrate über 90-98%, da um die Haarwurzeln eine vor Austrocknung und Quetschen schützende Gewebehülle verbleibt
- gut geeignet für Patienten, die ihre Haare niemals ganz kurz rasieren werden, jedoch in einer OP eine maximale Ausbeute an Spenderhaar mit minimalen Verlusten wünschen
Einzelhaargruppenentnahme (FUE)
Das Entnahmegebiet wird kurz rasiert. Pro cm2 kann man 12-15 follicular units entnehmen. Für große Transplantatzahlen sind deshalb große Flächen kahl zu rasieren. Dadurch erhöht sich die Menge des Betäubungsmittels und Anzahl der Injektionen. Durch spezielle Instrumente ist die Verletzungsgefahr der Haarwurzeln minimiert, sie hängt von der Konzentrationsfähigkeit des Operateurs über eine längere Zeit und der Kopfhaut- und Haarsituation des Patienten ab.
Die Haarwurzeln sollen auf Verletzung unter dem Mikroskop kontrolliert werden.
Die Entnahmestelle wird nicht vernäht, bleibt offen und die punktförmigen Entnahmestellen (0,7-2 mm Durchmesser) verschließen sich unmittelbar am Behandlungstag. Viele kleine Krusten sind noch etwa 5-7 Tage sichtbar. Leichte Rötungen können wegen der in dem Bereich kurz rasierten Haare länger sichtbar sein. Es verbleiben später kleine punktförmige Narben. Diese kleinen Narbenpunkte sind bei geringer Anzahl pro qcm später kaum oder gar nicht mit dem bloßen Auge sichtbar.
Zusammenfassung mit Vor- und Nachteilen der FUE Technik:
- kein Schnitt und keine Naht erforderlich
- Zahl der zu transplantierenden Follicular units pro Tag geringer, bei einem Operateur etwa 700-1500
- bei geringen Mengen (300-500 fu’s) und langem Haar ist die Entnahmestelle überkämmbar, bei großen Mengen 1000-1500 fu’s ist sie u. U. fast immer sichtbar
- bei dichter Entnahme (Folgebehandlungen) ebenfalls keine Kurzhaarfrisur mehr möglich
- größere FU schwieriger bzw. mit mehr Verlustrisiko zu entnehmen, deshalb insgesamt etwas weniger Haare pro FU, d.h. weniger Haare bei gleicher Transplantatzahl
- noch nicht durch allgemeine Erfahrung und Studien abgesicherte gleich hohe Anwuchsrate wie bei Streifenentnahme, tendenziell empfindlichere Haarwurzeln mit weniger schützender und zur Ernährung bis zum Anwachsen notwendiger Gewebehülle
- Bei erneuter Entnahme dünnt sich der Haarkranz weiter aus oder es muss auf andere Stellen, wenn möglich, ausgewichen werden
- Gefahr, bei der Entnahme in einen unsicheren Bereich hormonempfindlicher, weniger dauerhafter Haare zu geraten
- Haarkranz/Haarkleid im Entnahmebereich dünnt sich optisch aus
- Punktförmige Entnahme von Haarwurzeln überall am Körper möglich, wenn auch die Qualität von Körperhaar selten gut für die Transplantation geeignet ist
- Gut geeignet für sehr junge Patienten, die noch nicht wissen, ob sie später einmal alle ihre Kopfhaare abrasieren
Stellungnahme zur FUE Behandlung von der ISHRS (International Society Hair Restoration Surgery, USA)
"Die Haltung der ISHRS ist, dass alle Verfahren, welche Gewebeentnahme von der Kopfhaut oder des Körpers beinhalten von einem zugelassenen Arzt durchgeführt werden müssen. Ärzte, welche Haarverpflanzungs Operationen durchführen, müssen über eine Ausbildung und ausreichend Erfahrung im Bereich der Haartransplantation verfügen. Für nicht entsprechend ausgebildetes Personal ist es nicht zulässig, eine entsprechende Operation durchzuführen. Die chirurgische Entfernung von Gewebe von nicht lizensierten medizinischem Personal kann mit einem praktizierenden Arzt ohne Zulassung verglichen werden. Unser Verband unterstützt ausdrücklich die Durchführung von medizinischen Behandlungen durch einen staatlich zugelassenen Arzt."
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